Logbuch-Auszug 2009 - aus einer fast
schon romantischen Nachtfahrt.
Samstagvormittag: Wir treffen uns am Schiff - war so in Tutzing abgesprochen. Alle trudeln so nach und nach ein. Es gibt einen kleinen Drink zum kennen lernen. In Tutzing haben sich leider nicht alle treffen können. Jetzt haben wir ja eine Woche Zeit dazu.
Das Schiff ist die „Phönix“ - ein neuer Katamaran der Lagoon Werft mit viel Platz für uns sechs Personen. Die Kabinen haben schon die großen Fenster im Rumpf,dies finde ich ausgesprochen schön! Morgens wird man in der Koje durch die ersten Sonnenstrahlen geweckt, macht die Augen auf und schaut auf das türkis blaue Meer bis zum Horizont; ein super Ausblick, will man da überhaupt schon so früh aufstehen ? - .Aber ja doch, ein Fensterrollo zum verdunkeln gibt es natürlich für die Langschläfer dazu. Schon werde ich aus meinen Gedanken heraus gerissen und die Fragen der mir noch nicht so bekannten Mitsegler werden völlig zu Recht, gestellt - wo ist was? – wann ist was? - wie ist was? – etc. Mit Freude und etwas Geduld wird alles beantwortet.
Nachdem nun alle ihre Ein oder Zweibett Kabinen bezogen haben, einen sehr zufriedenen Eindruck machen, beginnen wir mit der Sicherheitseinweisung und mit dem Verteilen von freiwilligen Aufgaben auf dem Schiff. Dazu gibt es kalte Getränke nach Wunsch für jeden. Der Kühlschrank ist groß, gut gefüllt und ganz wichtig! Er kühlt hervorragend.
14:00 Jetzt ist es langsam an der Zeit auszulaufen, ich habe aber vom Wind her nicht das Gefühl, daß es uns allen gut tut. Er bläst frisch, kühl mit starker Kraft schon seit geraumer Zeit aus den Bergen herunter und - mittlerweile leider ohne Unterbrechung (Bora vom allerfeinsten).
15:00 Zwischenzeitlich ist es 15:10 Uhr ich gehe noch mal zur Capitaneria und hol einen weiteren Wetterbericht ein. Eigentlich steht weiter hin nichts Gefährliches drin außer, daß der Wind heute noch nachlässt, deutlich wärmer wird und auf 2 - 3 nach Nord-West bis Süd West dreht, nur passiert ist es noch nicht. Nach einem Gespräch mit dem Hafenkapitän in Bezug auf unser heutiges eventuelles Erstziel, sagt er zu mir - das geht sicher. Wir dachten da vorerst mal an die Insel Bisevo.
Heute ist Vollmondnacht und da wäre es ein besonders schöner Törn mit dem warmen Süd Wind, Stunden lang um die Wette bis Bisevo und eventuell noch weiter bis nach Palagruca zu segeln. Für mich immer wieder ein grandioses Erlebniss auf See. Natürlich wären wir am nächsten Tag etwas müde, aber dafür hätten wir einen ultra super tollen Nachttörn gehabt. Den neuen Tag nutzen wir dann zum Schwimmen, Schnorcheln, Sonnen, Lesen, Plaudern, Lachen, Angeln, einer Inselerkundung zum Leuchtturm oder einfach nur zum Ausruhen in einer schönen Bucht auf der Ziel - Insel. Als kulinarischen Höhepunkt gibt es frischen Fisch und guten Landwein. Dazu käme noch ein Vorschlag über den nächsten ultimativen Segeltag wie zum Beispiel: Segeln nach Windrichtung ohne Zielvorgabe, ist natürlich auch sehr schön und sollte beim gemeinsamen Essen schon vorgeschlagen werden. Die Crew entscheidet ob: Ja oder Nein.
Also mein Entschluss wäre gefasst, aber entscheiden werden die Mitsegler. Laufen wir jetzt noch aus oder nicht ? Ich erkläre die Situation mit allen bekannten „Nebensächlichkeiten“ die möglicherweise auf uns zu kommen könnten (und der Erfahrungsschatz ist groß). Es wird auch davon erzählt wie schön es heute Nacht werden kann und das ich das Schiff auch allein steuern würde, falls sie doch zu müde für die Wache an Bord wären.
17:00 Die Mitsegler haben sich entschieden. Sie wollen auslaufen und die ganze Nacht durch segeln, sagen sie. Die Fahrt beginnt ! Maschinen an, Passarella, Wasserschlauch, Stromverbindung, Mooringleinen, Festmacher los und zum Schluss die Fender weg. Das Schiff läuft gegen 17:15 Uhr aus der Marina aus; Die Segel werden gesetzt, die Motoren sind schon wieder abgeschaltet, der Wind wird nun wärmer und dreht in die versprochene Richtung. Wir laufen unter Segel mit gutem Speed auf unser angedachtes Ziel zu, - der Insel“ Bisevo“. Nun traue ich mich, von einem weiteren Ziel zu sprechen, - der weit draußen im adriatischen Meer, karg, wild, schön und einsam (nur von einen Leuchtturmwärter bewohnt) gelegenen Insel „Palagruca „ - es ist meine dritte Lieblingsinsel nach Galite, - auf ihr lebte ich fast drei Monate (Tunesien) und Ustica, - hier war mein unter Wasserfundort von römischen Amphoren (Italien). Am besten wäre, der Wind entscheidet über das Ziel (ist nur so ein Gedanke von mir).
18:00 Wir laufen gerade an der ebenfalls sehr schönen Insel“ Zyrie „vorbei, denke dabei an den Heimweg - und das wir diese Insel auf jeden Fall noch anlaufen müssen. Sie ist immer wieder einen Besuch wert. Aber natürlich auch die gegenüber liegende Insel Kaprjie hat diesen Stellenwert. Wir werden sehen.Das hat ja noch Zeit.
19:00 Jetzt setzt die Gally ein und ein kleiner Teller mit Spaghetti und Getränken nach Wahl geht an jeden. Das Schiff hält gut Kurs mit der Crew, die sich bereits selbst am Ruder ablöst mit dem Kompass Kurs “Süd Süd-West“.Für die Nacht wird Tee und Kaffee gemacht und in Thermoskannen abgefüllt. Die Elektrik an Bord wird auf das minimal Notwendigste reduziert. Navicomputer aus, Ventilatoren aus, Funk auf Kanal 16. Ende, laß laufen....und guten Appetit!!!
20:00 Ich genieße den warmen Wind vom Süden und den Anblick auf die untergehende Sonne im Westen. Später mache ich den ersten Spüldienst. Der Kurs liegt an. Durch die Panorama-Fenster des Katamarans kann ich von der Pantry ja alles gut beobachten. Jeder ist fasziniert von dem schönen Sonnenuntergang. Da macht das Abspülen doch so richtig Spaß.
21:00 Langsam schleicht sich die Dunkelheit auf dem Meer heran. Wir haben die Positionslichter längst an, als wir auf Backbord das Leuchtturmfeuer der Insel „Vis“ sehen. Die Insel ist zu einem großen schwarzen Fleck auf unserer Südostseite geworden.
Nun wird es spannend! Die Untiefe vor „Vis“ zeigt sich ebenfalls schon länger durch ihre Leuchtfeuerkennung. Mittlerweile zeigt sich ein zweiter großer schwarzer Fleck auf der Steuerbordseite - es ist die Insel „Bisevo“ von Westen her. Wir sind ganz schön schnell, das erste Ziel ist fast ereicht.
22:00 Die Kursansage vor der Untiefe von „Vis“ geht direkt auf die Südwest Spitze von „Bisevo“ hin. Es ist schon sehr dunkel geworden, der Mond lässt noch auf sich warten; Leuchtfeuer und Positionslichter von anderen Schiffen aus allen Richtungen blinken uns mit ihrer Kennung zu. Hier gibt es mehrere kleinere Untiefen im Meer. Immer wieder schaue ich auch nach Osten, wird wohl noch eine Stunde dauern, bis sich der Mond zeigt - dann haben wir einen hell leuchtenden Begleiter für diese wundervolle Nachtsegeltour.Die Laune von uns allen ist Top.
23:00: Der Mond ist endlich da! Es ist jetzt unbeschreiblich schön auf dem Schiff, der Wind hat etwas nach gelassen, das Meer fängt das Mondlicht auf und spiegelt es mit den Wellen ständig wieder zurück. Auch die Segel bekommen das Licht ab und machen uns damit die Plicht etwas heller. Ein Teil der Crew liegt nun in den Kojen und beobachtet das ganze Geschehen von den großen Kabinenfenstern aus, mit der eigenen Lieblingsmusik (evtl. Long Road von Dire Straits) im Ohr. So findet nun jeder seinen Weg für dieses Schauspiel auf dem Meer und seine „Entspannung pur“.
Sind nun am südlichen Ende der Insel „Bisevo“ angekommen. Fast ein bisschen zu scharf auf die Kante der Insel zu - mit einer leichten Kurskorrektur ziehen wir auf das offene Meer hinaus und verlassen langsam die Tragweite vom Leuchtfeuer „Bisevo“. Jetzt könnten wir noch leicht abbrechen und zurück in den Hafen von „Bisevo“ einlaufen, der Funk gibt keinerlei Hinweise auf eine Wetteränderung. Das Baro auch nicht. Also wieder spannend für mich, was hat die Crew nun vor ?
Sie wollen, daß weiter in die Vollmondnacht hinaus gesegelt wird und der Wind spricht für uns. Das Schiff läuft jetzt direkten Kurs auf das noch für viele Stunden unsichtbare neue Ziel - das Leuchtturmfeuer der „Insel Palagruca“ zu. Mitten im Meer zwischen Italien und Croatien gelegen. Es ist einfach nur wunderschön !
Die Nacht ist weiter hin gigantisch - Sternenreich und klar, vor allem aber Silberfarben schimmernd mit herrlich warmen Südwind. Das Plätschern und Schlagen der Wellen gegen den Rumpf des Katamarans klingt von außen etwas hart, wird aber in der Kabine liegend als angenehmes Geräusch wahrgenommen. Man hat heute Nacht einen guten Weitblick über die Kurslinie. Von fern sieht man immer wieder die Positionslichter anderer Schiffe. Wenn das so bleibt werden wir in ca. 3 - 4 Stunden die beleuchtete Küstenlinie Italiens sehen und das Leuchtfeuer der Trimiti (Italienische Inselgruppe). Wo? Ist nur der Schalter um die Zeit jetzt an zu halten!!! Wenigstens für einen kleinen Augenblick .
00:00 Jetzt sieht man nur noch Wasser, egal wohin man sieht, die Leuchtturmfeuer und Positionslichter anderer Schiffe sind verschwunden. Wir befinden uns jetzt im tiefen Wasser. Das elektrische Echo des Tiefensonars findet den Weg nicht mehr auf den Grund des Meeres. Es ist eine Ruhe und eine Stille an Bord die man sonst nicht so leicht wieder findet. Das Schiff läuft den angelegten Kurs am Wind mit fast sechs Knoten. Die totale Faszination! Alle geben sich ihren eigenen Gedanken hin, ob sie nun in der Kabine auf der Koje, oder in den Netzen zwischen den beiden Rümpfen auf Vordeck in der Freiwache liegen; Wir sind bestimmt alle verzaubert von diesem silber schimmernden Meer. Dazu noch der hell leuchtenden Sternenhimmel mit seinem Vollmond und dem weiterhin warmen Fahrtwind der uns umgibt. Gesprochen wurde bis jetzt fast gar nichts, es beobachtet wohl jeder für sich und nimmt das auf. Finde auch diesmal den Schalter für eine kurze Stillegung der Zeit nicht, schade!
" Somit läuft uns dieser wunderschöne Samstag davon und löst sich im Nichts auf." Was bleibt !?..... - und ein Eintrag im Logbuch.
01:00 Sonntag, ein riesiges Kreuzfahrtschiff quert ca 5 Meilen vor uns den Weg in Richtung Italien. ich höre auf Kanal 16 mit......... ;
Insel Palagruza - INFO
Der Leuchtturm Palagruza wurde 1875 auf der gleichnamigen Insel mitten der Adria, zwischen der kroatischen und der italienischen Küste gebaut. Die geschichtsträchtige und wundervolle Insel Palagruza liegt 68 Seemeilen südlich von Split und 26 Seemeilen südlich von der Insel Lastovo und ist die vom Festland am meisten entfernte Insel Kroatiens. Die Insel ist 1400 m lang, 300 m breit und 90 m hoch. Auf der Insel wächst mediterrane Vegetation.
Auf der Insel Palagruza Velika findet man archäologische Ausgrabungen, die beweisen, dass gerade Palagruza die Insel des griechischen Helden Diomedes war. Die Insel ist ein Naturreservat und verfügt über zahlreiche Arten von Flora und Fauna.
Das war ein kleiner Ausschnitt aus meinem Logbuch vom Sommer 2009.
Vielen Dank auch an alle Mitsegler von 2009 für die schnelle Teambildung und die schönen Bilder aus dieser Zeit.